SPD-Stadrat Frieder Stöckle, Beitrag fürs Schorndorfer Wochenblatt zur weiteren Entwicklung des Internationalen Jugendsportfests.
SPD-Stadrat Frieder Stöckle, Beitrag fürs Schorndorfer Wochenblatt zur weiteren Entwicklung des Internationalen Jugendsportfests.
Da war es wieder. Dieses Sprach-Flirren und Flaggen-Farben-Flimmern in der Stadt. Heitere Hochstimmung. Lachen und ein Leuchten auf den Gesichtern. Und dann das spielerische Kräftemessen, bei dem man als Zuschauer immer das Gefühl hatte,die Beteiligung, das aktive Dabeisein machen den Motivationskern aus. Und nicht unbedingt der Wille zum 'Sieg'.
Das internationale Sportfest brachte junge Menschen aus verschiedenen europischen Regionen zuammen. Euro-Feeling in der Stadt. Als bewegte Grüppchen tauchten sie im Stadtbild auf und und setzten heitere Akzente. Man muss den Organisatoren auf dem Rathaus, den vielen Ehrenamtlichen und den Männern vom Bauhof ein herzliches 'Dankeschön' zurufen! Alle Achtung, wie es ihnen wieder gelungen ist, ein solches Mega-Projekt zu jonglieren. Allein die Übernachtung: in kurzer Zeit eine Schule in ein 'internationales Camp' verwandeln -und es anschließend sofort wieder in die Normal-Norm zu bringen. Doch, alle Achtung. Das war stark.
Andererseits: Deutschland, Frankreich, England, Portugal, Italien, Amerika...Man bleibt 'im Westen'. Europa ist mehr. Wäre es nicht sinnvoll, eine Ost-Orientierung zu wagen ?
Da ist Polen. Viele Bürger leben hier bei uns, die ihre Wurzeln zum Beispiel in Schlesien haben... Wie das gehen könnte? Ein Startversuch: 70 Schüler der Gottlieb-Daimler-Realschule und der Realschule Plüderhausen werden im September ein Pionier-Projekt starten:im Zusammenhang mit einer Polen-Exkursion nach Auschwitz werden die Schülerinnen und Schüler auf der Rückreise in Oppeln eine bilinguale Schule besuchen, mit den Schülern dort Kontakt aufnehmen und eine Begegnung gestalten, bei der kulturelle, sportliche und wer weiß, vielleicht auch kulinarische Akzente gesetzt werden. Ausgangspunkt ist die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, dem Zivilisationsbruch und Völkermord. Und zwar ganz konkret am Beispiel der Schorndorfer Sinti-Roma-Familie Guttenberger aus der Römmelgasse 8 festgemacht, deren furchtbares Schicksal Dank der beharrlichen Mahnung des Schorndorfer Bürgers Richard Schock nicht verdrängt blieb, sondern aufgearbeitet wurde. 1988 durch den damaligen Oberbürgermeister Reinhard Hanke. Auch das ist einen 'Jubiläumsgedanken' wert.
Die Schülerinnen werden in der 'Zigeuner-Baracke Block B II e' in Auschwitz-Birkenau stehen und sich vorstellen, wie es dieser 14-jährigen Maria Guttenberger wohl zumute war...und sie werden der Frage nachgehen - wie war das möglich-?! Und weil die Fahrt durch Oberschlesien geht und weil es einen Zusammenhang zwischen dem Zivilisationsbruch, dem Holocaust und dem anschließenden Heimatverlust vieler Menschen aus der Region gibt, könnte dieser Kontakt zu einer polnischen Schule zu einem wichtigen Lern -Weg werden - in Richtung Versöhnung und gegenseitigem Verständnis. Unterstützt wird die Exkursion unter anderem durch Mittel, die unser unvergessener Gemeinderatskollege Dr. Götz Hübner in seiner ADAMAS-Stiftung solchen Zwecken zugedacht hat. Vielleicht ist das ja der Einstieg in eine 'Ost-Öffnung' des Internationalen Jugendsportfestes.