
Der Sommer zeigt sich dieses Jahr von seiner unerbittlichen Seite. Tropische Nächte und glühende Tage machen den Aufenthalt im Freien oft zur Belastung. Wenn der Asphalt strahlt und die Hitze in den Straßen steht, spüren wir am eigenen Leib, wie sich der Klimawandel direkt vor unserer Haustür anfühlt. Solche Hitzewellen sind keine abstrakte Statistik mehr – sie sind eine reale Bedrohung für unsere Gesundheit, insbesondere für ältere Menschen, Kinder und Vorbelastete.
Genau hier setzt die Diskussion um den Archivplatz an. Ja, die Umgestaltung und Entsiegelung werden kontrovers diskutiert. Das zeigt, wie sehr den Schorndorfern ihre Innenstadt am Herzen liegt. Doch bei diesem Projekt geht es nicht um ideologischen Klimaschutz, sondern um handfesten Menschenschutz.
In einer dicht bebauten Stadt heizen sich versiegelte Flächen extrem auf und speichern die Hitze. Wenn wir den Archivplatz aufbrechen, Grünstrukturen schaffen und Bäume integrieren, nehmen wir der Hitze die Angriffsfläche. Das ist medizinisch notwendiger Hitzeschutz für die Menschen in unserer Stadt. Dabei kann dies nur ein Anfang sein, denn der Sommer hat deutlich gezeigt, dass es notwendig ist, weiter in eine Umgestaltung der Stadt zu investieren. Dazu braucht es Mut zu Veränderungen, es benötigt noch viele weitere Ideen, in Stuttgart werden, z.B. stahlgestützte Kletterpflanzen- Konstruktionen, in Form eines kleinen Baumes zum Schattenspenden getestet oder in Sevilla wird Schatten mit großen Sonnensegeln erreicht.
Gute Stadtpolitik denkt sozial und wirtschaftlich zusammen. Natürlich bleibt eine gut erreichbare Innenstadt wichtig: Parkplätze sind ein wesentlicher Mosaikstein, deshalb ist es gut, dass die Parkgebühren am Wochenende im Künkelinparkhaus aktuell deutlich gesenkt und am Finanzamtparkplatz schon länger zusätzliche Parkplätze geschaffen wurden.
Belebte Plätze brauchen dennoch vor allem Menschen, keine reinen Abstellflächen für Autos. Hier bieten sich tolle Chancen für unsere Stadt: Die neue Stadtbücherei am Archivplatz wird künftig rund 60.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr mitten in die Innenstadt bringen. Das entspricht etwa 250 Menschen pro Öffnungstag – eine großartige Frequenz und wertvolle potenzielle Kundschaft für den Handel vor Ort.
Studien und die Praxis vor Ort belegen längst: Mehr Grün, Schatten und angenehme Temperaturen erhöhen die Verweildauer in den Städten spürbar. Wer auf dem Archivplatz verweilt, geht danach in umliegende Geschäfte oder setzt sich ins Café. Das stützt die Händler direkt.
Machen wir nicht nur den Archivplatz, sondern die Stadt zu einem dauerhaften Ort der Begegnung, der Abkühlung und des Miteinanders.
Fraktionsbeitrag Steffen Moldenhauer Schorndorf Aktuell 10.09.2026