Projektreihe „80 Jahre Machtergreifung“ in Schorndorf

Veröffentlicht am 27.12.2012 in Allgemein
Haus auf der Mauer
Geburtshaus des von den Nazis verfolgten Schorndorfer Ehrenbürgers Gottlob Kamm

22.12.12. - Stellungnahme von früheren Vorstandsmitgliedern der Jusos und der Grünen Jugend zur Debatte im Schorndorfer Gemeinderat aus Anlass des Erinnerns an 80 Jahre Ermächtigung Hitlers.

Nach einer sehr emotionalen und harten Debatte im Schorndorfer Gemeinderat wollen wir hier einen Kommentar von ehemaligen politisch Engagierten zu den Vorfällen im Gemeinderat posten.

Was ist passiert?

In der letzten Sitzung des Schorndorfer Gemeinderates wurde auf Drängen der CDU und FDP/FW-Fraktionen das Geld für die Veranstaltungsreihe „80 Jahre Machtergreifung“ im Jahr 2013 von 25 000 auf 15 000 Euro reduziert. Das Schlimmste waren aber mit Abstand die Argumente der CDU und FDP/FW-Stadträte.

Die Schorndorfer Nachrichten titelte zurecht, dass die Machtergreifung in Schorndorf kleinhalten werden solle. Der vollständige Zeitungsartikel findet sich im geschützten Bereich auf der ZVW Homepage. Exakt vor einem Jahr ereignete sich im Schorndorfer Gemeinderat eine ähnliche Debatte zur Umbenennung der Hindenburgstraße in Schorndorf-Weiler. Diese scheiterte ebenso an der gleichen Mehrheit.

Gastkommentar:

"Opa war kein Nazi" heißt ein bekanntes Buch von Harald Welzer, in dem die Vermittlung der NS-Vergangenheit innerhalb von Familien analysiert wird. Überraschendes Ergebnis der Studie: Von NSDAP-Mitgliedschaften, Kriegsverbrechen, Mittäterschaft, systematischer Diskrminierung, Verfolgung und Ermordung von Minderheiten ist kaum die Rede. Stattdessen steht das Leiden der eigenen Angehörigen, Bomben und Vetreibung im Mittelpunkt des kollektiven Familiengedächtnisses.

Klar, wer beschäftigt sich schon gerne mit der eigenen Schuld? Es bedurfte der Generation der 68er, damit die von der Adenauer-CDU geprägte Bundesrepublik endlich begann, sich der historischen Verantwortung und der mangelnden Aufarbeitung des NS-Regimes zu widmen. Wer hätte gedacht, dass es im Jahr 2012 noch immer Menschen gibt, die sich einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit verweigern?

Die Verweigerung und die Aussagen der Gemeinderät*innen der Fraktionen von CDU und FDP/FW grenzen an Geschichtsrelativismus. Wenn CDU und FDP, (ob in Berlin oder Schorndorf,) in ihrer Ewiggestrigkeit Hindenburg huldigen, und zudem die Auffassung vertreten, Jugendliche in Deutschland wüssten zwar alles über Auschwitz, aber nichts über Ostpreußen, sollten sie noch einmal ernsthaft über ihr demokratisches Selbstverständnis nachdenken.

Wer Rechtsextremismus und den angeblich existierenden gewaltausübenden Linksextremismus auf eine Stufe stellt, tut nichts anderes, als die Verbrechen der (Neo-)Nazis zu verharmlosen. Diese Aussagen sind ein Faustschlag ins Gesicht der Opfer und der vielen couragierten Menschen, die sich mutig Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in den Weg stellen. An dieser Stelle soll daran erinnert sein, dass der Rems-Murr-Kreis sogar bundesweit immer wieder auf Grund rechter Gewalttaten für Aufsehen sorgt.

Viele Schüler*innen wissen übrigens erstaunlich wenig über die Geschichte des Faschismus in Deutschland. Die Zahlen der ermorderten und verfolgten Menschen sind für viele abstrakt und unnahbar, ohne Bezug zur eigenen Identität. Hier kann die Geschichte des eigenen Ortes helfen, Bezüge herzustellen, Geschichte greifbarer und die Frage von historischer Veranwortung erlebbar zu machen.

Das Recherchieren von jüdischem Leben in Schorndorf, die Aufarbeitung von individuellen Schicksalen aus der Nachbarschaft und Überlegungen zu lokalem Erinnern und Mahnen sind gute Möglichkeiten, junge Menschen für die NS-Zeit zu sensibilisieren. "Nur wer die Vergangengheit kennt, hat auch eine Zukunft", hat Wilhelm von Humboldt einmal gesagt. Angesichts der kollektiven geschichtlichen Unkenntnis der konservativen Kräfte in dieser Stadt, muss man sich große Sorge um die Zukunft machen. Die Stadträt*innen von CDU und FDP/FW verkennen die gesellschaftlichen Realitäten.

Mindestens 149 Menschen sind seit 1990 Opfer rechter Gewalt geworden, weil sie die falsche Religion, die falsche Hautfarbe, die falsche Herkunft, die falsche Person geliebt, oder die falschen politischen Ansichten vertreten haben, und heute verbinden die Menschen mit Adolf Hitler am ehesten Bruno Ganz. Alles kein Problem für CDU und FDP/FW. Achja, Opa war ja gar kein Nazi, zumindest in Schorndorf nicht.

Lisa Käfer (23), ehemaliges Vorstandsmitglied der Grünen Jugend Rems-Murr, studiert Sozialwissenschaften in Marburg
Alice Spätgens (25), ehemalige Vorsitzende der Schorndorfer Jusos, studiert Rechtswissenschaft in Tübingen
Hannes Storm (23), ehemaliges Vorstandsmitglied der Grünen Jugend Rems-Murr, studiert Sozialwissenschaften in Berlin
Robin Völker (24), ehemaliger Vorsitzender der Schorndorfer Jusos, studiert Sozialwissenschaften in Berlin

 

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