„Eigentlich nicht“ hieß meistens „Ja“

Veröffentlicht am 23.04.2008 in Presseecho
Grawe

Schorndorf Nachrichten vom 23. April 2008- Wenn’s nicht eine Frau wäre, die für sie nachrückt, hätte Melanie Grawe ihren Platz im Gemeinderat wohl nicht vorzeitig geräumt. So aber wird die 72-jährige SPD-Stadträtin morgen Abend nach 28 Jahren aus dem Gremium verabschiedet. Und wenn sie dann noch mitgeholfen hätte, die Stelle der Frauenbeauftragten aufzustocken, würde ihr der Abschied noch etwas leichter fallen.

„Für die Susi mach’ ich das gerne“, sagt Melanie Grawe mit Blick auf ihre 39-jährige Nachfolgerin Susanne Degel und widerspricht Interpretationen, sie sei von ihrer Fraktion zum Rücktritt genötigt worden. Schließlich, so die „Alterspräsidentin“, sollten weder der Gemeinderat noch ihre Fraktion ein Seniorenforum werden. Für sie persönlich sei’s „Zeit, ans Altwerden zu denken“. Und für die Jüngeren sei’s, zumal wenn sie dazu bereit seien, „Zeit, dass sie ihre Zukunft selbst mitgestalten“, sagt die SPD-Stadträtin, die’s immer wieder geschafft hat, die Kurve rechtzeitig zu kriegen. Das war so, als sie den Vorstand im Heimatverein abgegeben hat, das war so, als sie ihr Haus verkauft und sich ins Mehrfamilienhaus eingekauft hat, und das ist jetzt wieder so. Außerdem sind 28 Jahre auch eine lange Zeit. Nur eine Periode im Leben der Melanie Grawe war auch so lang. Die Zeit, die sie verheiratet war.

1975 war die gebürtige Berlinerin und ausgebildete Lehrerin Melanie Grawe über verschiedene Zwischenstationen - Oldenburg, Baden, Schwaikheim - nach Schorndorf gekommen. Über ihr Engagement als Elternvertreterin und ihren Einsatz für den Erhalt des Ziegeleisees machte sie sich schnell einen Namen, der sie für ein kommunalpolitisches Mandat interessant machte. Bis dahin hatte sich ihr öffentliches Engagement auf eine „Bürgeraktion für Willy Brandt“ beschränkt. „Ich kannte mich mit solchen Strukturen, zumal in Schwaben, gar nicht aus, und auf einmal war ich vorne dran“, erinnert sie sich, dass sie das alles eigentlich gar nicht wollte. Eigentlich. Einiges von dem, was Melanie Grawe im Laufe ihres Lebens über den Weg gelaufen und ihrem Leben eine neue Richtung gegeben hat, hat sie sich „eigentlich zunächst einmal nicht vorstellen können“. Das war auch beim Heimatverein - nach einem Zweitstudium für Kunst - und Museumspädagogik - so und beim Mehrgenerationenhaus auch wieder.

Als Melanie Grawe 1980 erstmals in den Gemeinderat einzog, da war der noch 50 Mitglieder stark und wie heute auch noch von Männern dominiert. Und die mussten sich erst einmal daran gewöhnen, dass da auf einmal eine war, die - zumal auch noch im Technischen Ausschuss - nicht nur mitreden wollte, sondern sich sogar getraut hat zu widersprechen. Oder sich gar, wie bei der Stadthallendiskussion, für einen Bürgerentscheid stark zu machen. „Das hat mir der Kübler lange Zeit übelgenommen“, stellt die 72-Jährige fest und denkt durchaus auch mit Vergnügen an manchen Strauß, den sie mit dem ehemaligen Oberbürgermeister oder dem langjährigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Werner Lempp ausgefochten hat.
Ein schöner Abschied wär’s, wenn sie sich noch einmal durchsetzen könnte

Wie Melanie Grawe ohnehin keinen Hehl daraus macht, dass ihr der Abschied aus dem Gemeinderat nach 28 Jahren durchaus auch schwerfällt. Schließlich sind in dieser Zeit viele zwischenmenschliche Kontakte und auch einige Freundschaften entstanden. Und gelernt hat sie in dieser Zeit auch eine ganze Menge. Zu argumentieren und sich durchzusetzen zum Beispiel. Wenn ihr das morgen mit der Forderung gelänge, in der Stadt wieder eine Frauenbeauftragte zu installieren, die den Namen zumindest annähernd verdient, dann wär’s wirklich ein gelungener Abschluss und ein schöner Abschied, findet die scheidende Stadträtin.

Kraft und heitere Gelassenheit - das vor allem ist’s, was Melanie Grawe ausstrahlt. Und was sie eigener Einschätzung zufolge einem Leben „mit vielen Brüchen“ verdankt.

„Das Leben hat immer so mit mir gespielt, aber es hat nicht schlecht gespielt“, sagt sie und spricht zufrieden von einem „erfüllten Leben“.

Dazu passt auch der Neuanfang im Mehrgenerationenhaus, in dem sie es sich aussuchen kann, ob sie lieber friedlich in ihrer schönen lichtdurchfluteten Wohnung sitzt - und sich hie und da eine Zigarette gönnt - oder ob sie mit ihren Nachbarn „klönt“ und sich für die Gemeinschaft engagiert. Dass es reicht, die Zeit auszufüllen, die ihr nach dem Rückzug aus dem Gemeinderat bleibt, wenn sie sich im Cafeteria-Team engagiert und ab und zu eine Gruppe durchs Haus führt, glaubt Melanie Grawe selber noch nicht. Und die drei Familien ihrer Kinder gab’s ja bisher auch schon. Ernsthafte Sorgen macht sich die 72-Jährige deshalb aber nicht. Schließlich ist ihr im Leben immer wieder etwas über den Weg gelaufen, was sie gereizt und was ihr nachher Freude gemacht hat. Auch wenn sie sich das „eigentlich“ zunächst nicht eingestehen wollte.

„Eigentlich hätte man viel entschiedener auftreten und Nein sagen sollen“, sagt sie rückblickend.

Und ist froh, dass ihr „eigentlich nicht“ meistens richtig verstanden worden ist. Und das, obwohl sie (fast) alles kann außer Schwäbisch.

Quelle: Schorndorfer Nachrichten, 23. April 2008, Redakteur: Hans Pöschko

 

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