Fraktion
... ist der Titel für ein Mobilitätskonzept für Schorndorf, mit dem für alle Verkehrsteilnehmer, zu Fußgehende, Fahrradfahrende, Autofahrende und der ÖPNV, die best mögliche Aufteilung des öffentlichen Raums der Zukunft überlegt und geplant werden soll. Letzte Woche wurden die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 1120 Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt, welche die Grundlage für das zu erstellende Verkehrskonzept ist. Zusätzlich wurde noch das Ergebnis einer offenen online Befragung mit 1284 Teilnehmenden berücksichtigt. Ein großer Teil der Menschen nutzt fast täglich den PKW, ähnlich viele gaben an, die Wege in der Stadt zu Fuß zurückzulegen. Mehr als die Hälfte nutzt das Fahrrad und nur knapp ein Viertel den Bus. Das Nutzungsverhalten zeigt auch, es ist noch viel Luft beim Radverkehr, wie auch beim ÖPNV. Bei verbesserter Taktzeit, speziell auch in den Randzeiten, und optimierter Preisstruktur für Einzelfahrten wären mehr Menschen bereit, die Busse häufiger zu nutzen. Bei einer besseren Radinfrastruktur würden mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren. In Schorndorf sind ca. 14% mehr PKWs angemeldet als im Durchschnitt vergleichbarer Städte. Dies macht sich natürlich auch auf unseren Straßen bemerkbar. Immer wieder ist Geduld bei denen gefragt, die mit dem PKW durch Schorndorf fahren wollen, da sich zu bestimmten Tageszeiten einfach immer Staus bilden. Obwohl Schorndorf ausreichend Parkplätze hat, sind 46% der Teilnehmenden nicht zufrieden.
Am vergangenen Samstag waren Vertreter*innen der Parteien nochmals vor Ort und warben um die Stimmen der Bürgerinnen und Bürger. Ein älterer Mann - nicht grad’ der Typ linksversifft oder von der Sorte „keine Tassen im Schrank“ (F. Merz bei einer Wahlkampfveranstaltung) - eher so ein ganz normaler Mensch, der hinsieht und hinhört. Der sagte ganz leise im Vorbeigehen: „Wissen Sie, ich hab’ Angst. Angst, dass die Rechtsextremen noch stärker werden.“ Mir blieb nicht viel mehr, als zu sagen: „Ich auch.“
Am Sonntag dann erreichte eine in weiten Teilen rechtsextreme Partei eine völkisch-nationalistische Partei, die die Menschenwürde nicht achtet, die unseren Staat verachtetet und die keine Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit hat, über 20 Prozent der Stimmen. Das muss allen Demokratinnen und Demokraten Angst machen. Aber es darf uns nicht still werden lassen.
Und wenn Sie jetzt fragen: Was hat das denn jetzt mit uns in Schorndorf zu tun? Viel! Nicht nur, dass auch in unserem Gemeinderat Vertreter*innen dieser Partei sitzen. Sondern, dass wir hier alle zusammen aufgerufen sind, uns gegen Hass und Hetze zu stellen. Und vielmehr noch: Für unsere Ideen zu kämpfen und dafür, wie wir uns ein Zusammenleben in unserer Stadt und in unserem Land vorstellen und wie wir mit den großen Herausforderungen der Zeit umgehen.
Was macht einen Ort zu einem lebenswerten Lebensraum? Einem Platz, an dem man den Zusammenhalt spüren kann?
Seit Juli bin ich Neumitglied des Gemeinderats in Schorndorf und sitze stolz und voller Demut in der Fraktion der SPD. Sehr viele Entscheidungen müssen getroffen werden. Hierbei ist die konstruktive Auseinandersetzung innerhalb der eigenen Fraktion und anschließend in den Ausschüssen und im gesamten Gemeinderat unabdingbar wichtig und zielführend. Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass wir Gemeinderatsmitglieder gute und zukunftsweisende Entscheidungen treffen werden, denn auch der interfraktionelle Austausch funktioniert. Wenn sich unterschiedliche Meinungen wertschätzend zusammentragen lassen, ermöglicht das ein sehr lebenswertes und zukunftsorientiertes Schorndorf. Für mich, wie für die anderen Gemeinderatsmitglieder sollte das Gemeinwohl und Schorndorf an erster Stelle stehen. Dies kann aufgrund der vielen Personen, die unterschiedliche Vorstellungen dazu haben auch manchmal bedeuten, dass man mit Entscheidungen leben muss, die man persönlich anders getroffen hätte. Aber auch das ist Demokratie. Ich kann aus jahrzehntelanger, eigener Erfahrung sagen, dass Schorndorf extrem lebens- und liebenswert ist und stelle nun fest, wie viel dafür im Hintergrund unternommen wird, damit es so sein kann.
Diesen Satz hörte ich von Freunden und Bekannten, nachdem ich in den Gemeinderat gewählt wurde. Zunächst freue ich mich jedoch sehr darüber, dass mir viele Schorndorferinnen und Schorndorfer ihr Vertrauen geschenkt haben und mir die Möglichkeit geben, aktiv Einfluss auf die Zukunft unserer Stadt zu nehmen. Gleichzeitig empfinde ich, wie bei jeder verantwortungsvollen Aufgabe, großen Respekt und Demut gegenüber den vielfältigen Anforderungen, die das Amt als Stadtrat mit sich bringt.
Ich schreibe diesen Beitrag, weil ich davon überzeugt bin, meinen Teil zu einem erfolgreichen Schorndorf beitragen zu können. Die Ausgangslage ist nicht rosig – die Kassen der Stadt sind nahezu leer, und das Hochwasser im Juni hat die Situation weiter verschärft. Dennoch ist es entscheidend, wichtige Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen.
Die klimatischen Herausforderungen werden sich weiter zuspitzen. Daher brauchen wir Maßnahmen, um die Erwärmung der Stadt und der Teilorte zu begrenzen, genauso wie Vorkehrungen gegen Starkregenereignisse. Hierzu zählen Verschattungen, Begrünungen sowie Ausweich- und Abflussflächen für Wasser. Auch das Zusammenleben und der Zusammenhalt in unserer Stadtgesellschaft stehen auf dem Prüfstand, da vielfältige, schnelle und oft schwer überprüfbare Informationsströme zu Verunsicherung führen. Kinder und Jugendliche haben es zudem zunehmend schwerer, sich zu orientieren und ihren Platz zu finden.
„Meine Heimat ist Syrien, aber ich liebe Schorndorf.“ Das hat kürzlich Mohammad Anwar Dawara bei einer Veranstaltung auf die Frage geantwortet, was Heimat für ihn ist. Mohammad Anwar Dawara ist vielen Schorndorferinnen und Schorndorfern bekannt als „Jamel Koch“. Der gebürtige Syrer ist deutscher Staatsangehöriger, wie auch Miroslav Ilic und Tania Giffoni, die ebenfalls bei der Veranstaltung mit dem Bundestagsabgeordneten Macit Karaahmetoglu dabei waren.
Schorndorfer Bürgerinnen und Bürger sind auch die Menschen, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge in Schorndorf ankamen. Allein mit den offiziellen Transporten waren das rund 5.000, die hier ihre neue Heimat fanden. Den Menschen schlug in den Anfangsjahren oft große Ablehnung entgegen und sie waren mit vielen Vorurteilen konfrontiert. Doch auch damals schon konnten sie sich auch auf die vielen Schorndorferinnen und Schorndorfer verlassen, die ihnen ehrenamtlich zur Seite standen. Das waren zum Beispiel die „weißen Engel der Künkelinhalle“, wie man damals die Helferinnen vom Roten Kreuz nannte. Maria Schmid kam 1946 von Üröm in Ungarn nach Schorndorf und auf die Frage, wo ihre Heimat sei, antwortet sie 1995 im Rahmen eines Buchprojektes zur Nachkriegszeit in Schorndorf: „Wo sam mr’ daheim? Dort wo unsere Wiege stand oder dort, wo die Freunde, die Familie sind?“